Erste gemeinsame Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen. Bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Edingen-Neckarhausen am Freitag, 17. Januar 2014, wurde Geschichte geschrieben. Erstmals fanden die Abteilungsversammlungen und die gemeinsame Jahreshauptversammlung an einem Termin statt.

8700 ehrenamtliche Stunden

Die Abteilungsversammlungen wurden im Rekordtempo abgehandelt. Die Abteilungskommandanten Michael Berger (Edingen) und Stephan Zimmer (Neckarhausen) verlasen die Berichte über das Jahr 2013. Gemeinsam kamen die Abteilungen auf 8700 ehrenamtlich geleistete Stunden bei Einsätzen, Übungen und Arbeits- und Instandhaltungstreffen. Im Jahr 2013 rückte die Wehr zu 97 Einsätzen aus. Anschließend wurden die Kassenberichte verlesen. Die Kassenprüfer beider Abteilungen bescheinigten der Kassiererin Nicole Wetzel (Edingen) und dem Kassierer Patrick Aust (Neckarhausen) jeweils eine „hervorragende Kassenführung“ und beantragten deren Entlastung, die die Versammlung dann auch einstimmig aussprach. Als neue Kassenprüfer wurden dann Julian DiGiangiacomo (Edingen) sowie Flavius Langner und Leon Schollmaier (Neckarhausen) für eine Amtszeit von zwei Jahren ebenfalls einstimmig gewählt. Die Abteilungsversammlung Edingen dauerte zehn, das Neckarhäuser Pendant sogar nur sieben Minuten.

Somit blieb genug Zeit für die gemeinsame Jahreshauptversammlung. Kommandant Stephan Zimmer begrüßte die Anwesenden, unter denen sich neben den Feuerwehrleuten auch Bürgermeister Roland Marsch, Hauptamtsleiter Wolfgang Ding, Mitglieder aller Fraktionen des Gemeinderates und der Verwaltung sowie Vertreter der Presse befanden.

Emotionaler Jahresbericht des Kommandanten

Zimmer lieferte einen eindrucksvollen und emotionalen Bericht des Einsatzjahres 2013 ab. Anhand ausgewählter Einsatzbilder schilderte er, wie auch vermeintlich einfach klingende Alarmierungen wie eine Tierrettung große technische Anforderungen an die Feuerwehrleute stellen können, wenn zum Anheben eines Gewächshausdaches schweres Gerät zum Einsatz kommt.

Emotionale Momente, die den Feuerwehrleuten im Gedächtnis blieben, bescherten im Jahr 2013 gleich mehrere Einsätze. Etwa ein Wohnungsbrand in Neckarhausen im Februar, bei dem der Bewohner einer Souterrainwohnung ums Leben kam und zwei Feuerwehrleute verletzt wurden. Als pikantes Detail wurde bekannt, dass im Brandraum eine geladene Armbrust lag – nicht vorzustellen, was passiert wäre, wenn ein Trupp sie bei der Personensuche versehentlich ausgelöst hätte. In Erinnerung bleibt sicherlich auch ein Einsatz im Mai, bei dem in Edingen mehrere verwahrloste Hunde auf einem Anwesen in Edingen befreit wurden. Der eigentliche Grund des Einsatzes sei nach Zimmer jedoch gewesen, dass hier ein Kind aus denselben Umständen geholt worden wäre.

Investitionen zahlen sich aus

Mit der geschickten und bedachten Auswahl der Einsätze zeigte Zimmer jedoch auch, dass sich die Investitionen der Gemeinde in die Feuerwehr auszahlen: Anhand der Bilder erläuterte er, wie neue Ausrüstungsgegenstände sinnvoll eingesetzt wurden. Dazu zählten ein Hilfeleistungssatz, Schläuche in Signalfarbe, Rauchvorhänge und Wärmebildkameras.

Angesichts mehrerer Kaminbrände riet er: „Leute, bleibt eurem Kaminfeger treu, wenn er was taugt.“ In der Gemeinde brannten im vergangenen Jahr mehrere angeblich frisch gekehrte Kamine und verursachten hohen Sachschaden an den Häusern.

Zusammenarbeit der Abteilungen

Bei allen Einsätzen zeigte sich überdies die gute Zusammenarbeit beider Abteilungen. Das gemeinsame Atemschutzkonzept habe sich beim Wohnungsbrand im Februar ausgezahlt, da auch gemischte Trupps wüssten, wie der andere reagiert. Gemeinsam unterstützten die Wehren auch einen Hochwassereinsatz in Dossenheim, bei dem der dortige Einsatzleiter durch eine strukturierte Einsatzleitung unterstützt wurde. Auch die Zusammenarbeit mit der Schnelleinsatzgruppe der Johanniter-Unfall-Hilfe aus Mannheim-Friedrichsfeld habe sich bewährt. Bei einem Containerbrand auf dem Gelände einer Entsorgungsfirma am Anfang des Jahres seien die Atemschutzgeräte der Feuerwehr zugefroren. Die Johanniter rückten daraufhin an und bauten ein beheiztes Zelt auf, in denen die Atemschutzflaschen gewechselt werden konnten und die Feuerwehrleute einen Platz zum Ausruhen und Umziehen fanden.

Jugendfeuerwehr ist gut aufgestellt

Anschließend gaben die Jugendwarte Daniel Gärtner (Edingen) und Sascha Hirsch (Neckarhausen) gemeinsam einen Überblick über die Aktivitäten der Jugendfeuerwehren im vergangenen Jahr. Angesichts der Zahl von insgesamt 36 aktiven Jugendlichen sei die Jugendfeuerwehr im starken Wettbewerb mit anderen Vereinen und Freizeitbeschäftigungen sehr gut aufgestellt. Bei der Jugendfeuerwehr stünde der Spaß im Vordergrund, das Angebot reicht von regelmäßigen Übungen über Highlights wie die 24-Stunden-Übung bis hin zu Freizeitmaßnahmen wie Zeltlagern oder Besuchen im Europapark. Nach außen betätigte sich die Jugendfeuerwehr beim Fest der Kulturen oder bei Brandschutzerziehungen in Kindergärten und der Pestalozzi-Grundschule. Zu schaffen sei dies nur mit einem motivierten Team aus insgesamt 14 Jugendleitern.

Kommando einstimmig wiedergewählt

Den anstehenden Punkt der Tagesordnung übernahm Bürgermeister Roland Marsch. Er bestätigte: „Heute ist ein denkwürdiger, fast historischer Tag. Wenn man vor zehn Jahren eine gemeinsame Jahreshauptversammlung gefordert hätte, wäre man für verrückt erklärt worden.“ Er dankte allen Feuerwehrmitgliedern, die sich ehrenamtlich für die Gemeinde betätigten. Gemeinde und Feuerwehr würden konstruktiv und kooperativ „mit einem hohen Maß an Konsens“ bei den anstehenden Aufgaben zusammenarbeiten. Zu verdanken sei dies dem Kommando der Wehr und so beantragte er dessen Entlastung. Im Anschluss wurden Stephan Zimmer als Kommandant der Gesamtwehr und Michael Berger als sein Stellvertreter einstimmig wiedergewählt. Auch der Gesamtausschuss wurde im Amt bestätigt.

Beförderungen

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung werden auch weiterhin Beförderungen vorgenommen, Ehrungen dagegen nur noch beim Feuerwehrball in Neckarhausen.

Zum Feuerwehrmann befördert wurden nach bestandener Grundausbildung Sascha Kaupert, Leon Schollmaier und Joshua Trautmann. Den Truppführer-Lehrgang absolvierten mit Erfolg Linus Bergmann, Steven Imhof, Christian Stöckl und Alexander Tschöpl, sie wurden zum Oberfeuerwehrmann befördert. Aufgrund der langjährigen Zugehörigkeit zum Hauptfeuerwehrmann befördert wurden Sascha Barth, Stefan Kurtzer und Justin Imhof.

Im Anschluss holte Stephan Zimmer die Auszeichnung mit dem silbernen Leistungsabzeichen für Dominik Dommermuth und Andreas Feige nach, die bei der offiziellen Übergabe am letzten Feuerwehrball verhindert waren.

Marsch: Blick auf Hilfeleistungszentrum

Im abschließenden Punkt Verschiedenes lenkte Bürgermeister Roland Marsch den Blick auf das gemeinsame Hilfeleistungszentrum (HLZ), das für Feuerwehr und DRK gebaut werden soll. Er skizzierte die Entwicklung bis zur Festlegung des endgültigen Standorts im Gewann „In den Milben“. Der nächste Schritt sei der Erwerb der benötigten Grundstücke. Er versicherte, dass die Gemeinde den HLZ-Ausschuss der Feuerwehr in die weitere Planung miteinbezieht. Ein gemeinsames Treffen von Verwaltung, Gemeinderat und Ausschuss sei für den 18. März 2014 geplant.

Die Grüße des Kreisfeuerwehrverbandes Rhein-Neckar überbrachte dessen Geschäftsführer Sven Ballas. Er warb zudem für Führungskräftefortbildungen, die der Verband für das neue Jahr organisiert habe.

Mahnende Worte zum Schluss

Die Schlussworte der Versammlung fielen wieder Stephan Zimmer zu. In seiner Funktion als Kommandant sei es seine Aufgabe, für die Einsatzfähigkeit der Wehr zu sorgen – auch wenn dazu deutliche Worte notwendig seien. Angesichts der beantragten Summen würde auch ihm schwindlig, gab er zu. Doch seien diese aufgrund eines Investitionsstaus in den letzten Jahren dringend notwendig, um weiterhin neue Fahrzeuge zu beschaffen. Das Tanklöschfahrzeug der Abteilung Neckarhausen müsse sobald wie möglich ersetzt werden, da der Hersteller keine Ersatzteile mehr liefere. Bei einem Defekt drohe somit ein Totalausfall. Wenn dann auch noch das Edinger Tanklöschfahrzeug in die Werkstatt müsse, wie in der Vergangenheit häufiger vorgekommen, stünde für die gesamte Gemeinde lediglich ein einziges wasserführendes Fahrzeug zur Verfügung. „Diese Situation ist für mich nicht zu verantworten“, warnte Zimmer deshalb. Auch seien Investitionen in den Hochwasserschutz und die Infrastruktur der Wehr notwendig. Neben vielen positiven Beispielen gebe es auch einige dringende Aufgaben, die noch nicht angegangen seien, etwa die Rettungszufahrt zur Graf-von-Oberndorff-Schule in Neckarhausen, die durch einen Zaun versperrt sei. Auch die vor Jahren geforderte Einsetzstelle für das Rettungsboot der Feuerwehr sei noch nicht realisiert. Seit dem Ersatz der Fähre durch ein neues Modell könne die Feuerwehr das Boot nicht mehr zu Wasser lassen, wenn die Fähre auf Neckarhäuser Seite anliegt. Zu solchen Verzögerungen dürfe es bei der Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen nicht kommen.

Zimmer bat die Adressaten um Verständnis: „Uns ist klar, dass das viel Geld ist, und wir wollen es nicht zum Fenster rauswerfen und Prioritäten setzen. Unser Ziel muss aber sein, dass die Feuerwehr handlungsfähig bleibt.“