Innovative Ausbildungskonzepte: Fahrzeugbau als Teamwork

Brandbekämpfung, Hilfeleistung, Gefahrgutunfälle: Dies sind Themen, die Jahr für Jahr im Ausbildungs- und Übungsplan vieler freiwilligen Feuerwehren auftauchen. Doch kann man sie so aufbereiten und die Übungsabende so gestalten, dass diese Themen auch zum wiederholten Male spannend und die Übungsteilnehmer aktiv dabei sind? Die Feuerwehr Edingen-Neckarhausen hat kürzlich gezeigt: Man kann.

Am vergangenen Freitag startete die Abteilung Edingen in den Ausbildungsblock „Brandbekämpfung“; ein Block umfasst drei Übungsabende mit unterschiedlicher Gewichtung. Bei der Auftaktveranstaltung kam eine innovative und bei der Feuerwehr bislang nicht angewendete Ausbildungsmethode zum Einsatz, die sowohl die Wiederholung und Aneignung von Fachwissen als auch eine Teambildung zum Ziel hatte.

Dazu teilten sich die Feuerwehrleute in drei Kleingruppen auf. Jede Gruppe durchlief drei Ausbildungsstationen: Daniel Gärtner wiederholte mit den Teilnehmern Grundlagen im Löscheinsatz, Moritz Hoering lieferte Informationen zur taktischen Belüftung bei Brandeinsätzen und Tobias Jung informierte über Königswege und Fallstricke der Taktik im Löscheinsatz. Die Präsentation in Kleingruppen bildete den ersten Teil des Übungsabends.

Nach jeder Präsentation erhielten die Gruppenmitglieder einen kurzen Test, in dem Fragen zur jeweiligen Präsentation gestellt wurden. Der Clou: Mit richtigen Antworten konnte die Gruppe eine imaginäre Währung erspielen, die im weiteren Verlauf des Abends noch eine wichtige Rolle spielen sollte. Bereits hier hing der Erfolg von der Teamleistung ab, denn je mehr richtige Antworten eine Gruppe vorweisen konnte, desto mehr „FWEN-Dollar“ gab es.

Ausgegeben wurden die Dollar im zweiten Abschnitt des Übungsabends. Als kreative, problemlösungsorientierte und teambildende Aufgabe mussten die Gruppen ein Feuerwehrfahrzeug basteln. Das benötigte Material – zur Verfügung standen unter anderem Karton, Trinkhalme, Knete, Klebeband, Bastelscheren – konnten sie mit dem zuvor erspielten Geld einkaufen. Nach einer 15-minütigen Konzeptionsphase Bau hatten sie für den Bau genau 45 Minuten Zeit, danach musste ein fahrtüchtiges Modell mit bestimmten Maßen und Eigenschaften fertiggestellt sein. Die Jury setzte sich aus den drei Ausbildern zusammen und bewertete die Gruppenleistung nach Design, Details, Innovationskraft der Modelle und Teamwork in der Gruppe. In die Bewertung floss natürlich auch die Fahrleistung der Modelle ein, die an einer Rampe mit anschließender Modell-Rennbahn ermittelt wurde.

Von Müdigkeit und Langeweile war bei den Übungsteilnehmern keine Spur. Alle verfolgten aufmerksam die Präsentationen, stellten interessiert Fragen und gaben sich beim Test größte Mühe, um Finanzen für ihr Team zu erspielen. Mit Feuereifer konstruierten und bastelten sie im Anschluss die Modelle, kommunizierten mit ihren Teamkameraden und bewältigten allesamt die Aufgabe. Dass es knappe Punktunterschiede gab und die Modelle bei der Fahrprobe die Strecke durch eine Bruchlandung verließen, störte nicht und sorgte allseits nur für Erheiterung.

Übungsleiter Tobias Jung freute sich nach der Übung, dass das pädagogische Konzept aufgegangen ist: „Einerseits wollten wir mit dieser Übung theoretische Grundlagen wiederholen, auf denen wir in den folgenden Übungen aufbauen können. Andererseits haben wir wichtige Kompetenzen unserer Feuerwehrleute gestärkt, zum Beispiel die Kompetenz, Probleme lieber im Team zu lösen als alleine.“ Auch die Übung selbst hat das Ausbilderteam gemeinsam entwickelt – Teamarbeit zahlt sich eben aus.

Die Feuerwehr Edingen-Neckarhausen stellt anderen Feuerwehren, die diese Übung durchführen möchten, gerne weitere Informationen zur Übung zur Verfügung. Interessierte können sich dazu per E-Mail an kontakt@fwen.de an uns wenden.

[flagallery gid=54]